H. Das Geld der Pflegefamilie

1. Einkommen

Der Gesetzgeber verlangt eine gesicherte wirtschaftliche Existenz der Pflegefamilie als Voraussetzung für die Aufnahme eines Pflegekindes. Nur in sehr seltenen Ausnahmen verzichtet das Jugendamt teilweise oder ganz auf diese Sicherheit, wenn der Aufwand für das Pflegekind eine Größenordnung hat, die hohen Zeitaufwand und eine entsprechende finanzielle Ausstattung der Pflegeeltern aus der Jugendhilfe notwendig macht.

Der Erziehungsgeld-Anteil der Jugendhilfeleistung (§ 39 Abs. 1 Satz 2 SGB VIII) wird unter Umständen als Einkommen der Pflegeeltern gewertet, obwohl das vom EStG eigentlich ausgeschlossen wird. Die Rechtslage ist trotz zahlreicher Einzelurteile unklar.

Geregelt ist ferner in § 39 Absatz 4 Satz 2 SGB VIII, dass die laufenden Leistungen auch die Erstattung nachgewiesener Aufwendungen für Beiträge zu einer Unfallversicherung sowie die hälftige Erstattung nachgewiesener Aufwendungen zu einer angemessenen Alterssicherung umfassen.

2. Pflege-Rente

Erhält ein Pflegekind Pflegegeld aus der Pflegeversicherung, steht dieses der Pflegeperson zu. Zusätzlich erhält diese auch noch Leistungen zur Rentenversicherung, wenn sie „regelmäßig nicht mehr als dreißig Stunden wöchentlich erwerbstätig ist“ (§ 44 Abs.1 SGB XI). Die Krankenkasse als Versicherungsträger muss auf Antrag dafür sorgen. Wer sich nicht kümmert, bekommt diese Leistungen nicht!

3. Riester-Rente

Wer diese Rentenbeiträge aus der Pflegeversicherung erhält, kann wie jeder Arbeitnehmer auch einen Riester-Renten-Sparvertrag abschließen. Das lohnt sich vor allem für jüngere Personen, kann aber auch für ältere interessant sein, wenn mehrere Kinder im Haus leben.

4. Vorsorge für die Zukunft ohne Pflegekind(er)

Wir haben in der Vergangenheit oft erlebt, dass vor allem Pflegemütter versäumt haben, für die Zeit ohne Pflegekinder eine vernünftige Vorsorge zu leisten. Geht das letzte Pflegekind aus der Familie, fallen diese oft sowohl finanziell als auch mental in ein tiefes Loch.

Das sollte jede Familie rechtzeitig bedenken und dafür Sorge tragen, dass sowohl finanziell als auch inhaltlich die Zukunft geplant und gesichert ist.

5. Häuser und Fahrzeuge

Eine besondere Rolle im „Vermögen“ der Pflegefamilien spielen Immobilien und Fahrzeuge. Als finanzierte Negativposten haben sie während des Lebens mit den Kindern eine zentrale Rolle gespielt, waren bedarfsentsprechend groß, aufwändig angeschafft und langfristig finanziert worden. Oft können sich Pflegefamilien nur mit hohen Verlusten von diesen Objekten trennen. Entsprechend muss von vornherein einkalkuliert werden, dass irgendwann Schluss ist, und die Laufzeit der Finanzierung entsprechend niedrig gehalten werden.

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