I. Die Not leiblicher Eltern

1. Respekt vor einem mutigen Schritt

Zum guten Schluss möchten wir einige Ratschläge für Eltern eines behinderten Kindes anbieten, die darüber nachdenken oder sich gar gezwungen sehen, ihr Kind in einem Heim oder einer Pflegefamilie unterbringen zu lassen. Ursachen können sehr unterschiedliche Gestalt haben: Aus gesundheitlichen oder nervlichen Gründen ist eine Überforderungssituation entstanden; eine alleinerziehende Mutter kommt mit ihrem Alltag nicht mehr klar; Angst davor, das Kind falsch zu behandeln, blockiert das Handeln; eine Behörde oder ein Arzt oder wer auch immer bezweifelt die „Erziehungsfähigkeit“ der Eltern und Ähnliches mehr.

Ein schlechtes Gewissen ist fehl am Platz. Die Entscheidung, sich bei eigenen Problemen zum Wohl des behinderten Kindes zu einer Unterbringung außerhalb der eigenen Familie zu entschließen, ist ein mutiger Schritt, der allen Respekt verdient!

Erste Anlaufstelle ist stets das für den Wohnort zuständige Jugendamt. Dort sollten grundsätzlich und ehrlich alle Probleme ausgesprochen und ein Antrag auf Hilfe durch diese Behörde gestellt werden. Ärztliche Unterlagen über die Behinderung sollte man dazu vorlegen.

2. Heim oder Pflegefamilie

Die Frage, ob Heim oder Pflegefamilie angebracht ist, dürften Jugendamtsmitarbeiter nach § 13 SGB XII Abs. 1 Satz 2 eigentlich gar nicht stellen. Es ist auch fachlich unbestritten, dass für jedes behinderte Kind, gleich mit welcher Behinderung, zuerst eine geeignete Pflegefamilie gesucht werden muss. Dies ist zugleich die preisgünstigste wie auch pädagogisch beste Lösung. Also verlangen Sie das auch!

Unsere Erfahrung hat uns gelehrt, dass eigentlich keine Behinderung oder chronische Erkrankung ein Leben in einer Pflegefamilie ausschließt. Unsere Geschäftsstelle hilft dem betreffenden Jugendamt gerne und kompetent bei der Suche nach einer passenden Familie. Ein gewisses Problem stellt dar, dass eine geeignete Pflegefamilie für Ihr Kind nicht unbedingt in unmittelbarer Nähe gefunden werden kann. Dann müssen Sie zu den regelmäßigen Kontakten unter Umständen weitere Wege in Kauf nehmen. Das gleiche Problem dürfte es aber auch bei der Suche nach einem passenden Heim geben.

3. Freundschaft statt Konkurrenz

Manche Eltern, auffällig oft Mütter, scheinen Angst zu haben, dass ihnen ihr Kind durch eine Pflegefamilie innerlich „weggenommen“ werden könnte, und fürchten sich vor Konkurrenzproblemen zwischen Herkunfts- und Pflegefamilie. Sie hoffen, mit einem Heim entstünden solche Probleme nicht. Für diese Angst spricht, dass die Beziehung des Kindes zu Pflegeeltern bestimmt sehr viel tiefer wird als zu ständig in Schicht wechselnden Mitarbeitern eines Heimes. Wenn Sie aber an das Kind denken und seinen Urbedürfnissen nach Geborgenheit und Gefühlssicherheit entsprechen wollen, werden Sie doch die Pflegefamilie vorziehen. Eigene Bemühung um ein gutes, vielleicht auf Dauer gar freundschaftliches Verhältnis zur Pflegefamilie kann dieser Angst ganz schnell abhelfen.

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