Ehrungen für Frauke Zottmann-Neumeister und Norbert Müller-Fehling

Mitgliederversammlung des BbP beschließt beim Familientreffen in Haltern am See neue Ehrungen und die Einrichtung eines Wissenschaftlichen Beirats – Gesetzliche Grundlage für Pflegekinder mit Behinderung fällt Ende des Jahres weg

Haltern am See (ges) – Mit einer umfangreichen Satzungsänderung hat die Mitgliederversammlung des Bundesverbandes behinderter Pflegekinder e.V. einstimmig den Weg für Neuerungen bereitet. Künftig soll es einen Wissenschaftlichen Beirat geben, der den Verband mit fachlicher Expertise in den Bereichen Medizin, Recht, Sozialarbeit, Psychologie und Pflege unterstützt. Dazu kann der Vorstand bis zu zehn Personen als Beiräte berufen. Ebenfalls neu ist die Möglichkeit, Ehrenmitgliedschaften und eine Verdienstmedaille zu vergeben. Mit einer Ergänzung der Vereinsziele wurde außerdem die Voraussetzung geschaffen, künftig Ferienfreizeiten anbieten zu können. Richard Zimmermann und Noah Simmank wurden für zwei Jahre als Kassenprüfer gewählt.

Erstes Ehrenmitglied im BbP: Frauke Zottmann-Neumeister (Mitte) mit Kerstin Held (links) und Waltraud Timmermann. [Foto: Gerhard Schindler]
Erstes Ehrenmitglied im BbP: Frauke Zottmann-Neumeister (Mitte) mit Kerstin Held (links) und Waltraud Timmermann. [Foto: Gerhard Schindler]
Als erstes Ehrenmitglied, das sich um den Verband besonders verdient gemacht hat, berief die Mitgliederversammlung Frauke Zottmann-Neumeister aus Königswinter. Mit ihr verbindet den Bundesverband eine lange, gemeinsame Geschichte. In ihrer Zeit als Leiterin des Zentralen Fachdienstes für Pflegekinder mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen bei der Diakonie Düsseldorf entwickelte Frauke Zottmann-Neumeister das Konzept der Sonderpädagogischen Pflegestellen für Kinder mit Behinderung. Zahlreiche Familien kamen dadurch auch als Mitglieder zum Bundesverband. Auch im Ruhestand ist Frauke Zottmann-Neumeister weiterhin als Fachberaterin im Pflegekinderwesen aktiv und engagiert sich nach wie vor im BbP-Ausschuss für politische Arbeit. Drei ihrer vier Kinder zog sie als Pflegekinder groß. „Sehr gerührt“ nahm Frauke Zottmann-Neumeister die Ehrung entgegen und versicherte, dass damit ihr Engagement für den Verband keinesfalls beendet sei.

Ebenfalls zum ersten Mal beschloss die Versammlung, die neue Verdienstmedaille zu verleihen. Mit ihr werden Personen ausgezeichnet, die sich um Pflegekinder mit Behinderung und deren Familien besonders verdient gemacht haben. Jedes Vereinsmitglied kann dafür einen Vorschlag einreichen. Als ersten Träger ernannte die Versammlung Norbert Müller-Fehling, den Anfang des Jahres ausgeschiedenen Geschäftsführer des Bundesverbandes für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e.V. (bvkm), der sich über viele Jahre hinweg auf verbands- und bundespolitischer Ebene sehr für die Unterstützung von Pflegekindern mit Behinderung eingesetzt hat. Die Verleihung der Verdienstmedaille soll in einer separaten Zeremonie stattfinden.

Die BbP-Vorsitzende Kerstin Held unterstrich in ihrem Bericht noch einmal die Brisanz der Ende des Jahres auslaufenden Übergangsregelung für Pflegekinder mit Behinderung im § 54 des Sozialgesetzbuchs XII. Trotz vielfacher Hinweise und Mahnungen stünde die seit Jahren angestrebte „inklusive Lösung“ nicht im Koalitionsvertrag, beklagte Kerstin Held. „Wenn die Politik hier nicht noch dieses Jahr handelt, stehen alle unsere Pflegekinder nächstes Jahr ohne gesetzliche Grundlage da.“

Im Jahr 2017 wurde der Bundesverband für 101 Kinder mit Behinderung oder chronischer Krankheit von Jugendämtern aus ganz Deutschland um Vermittlungshilfe gebeten. 16 Kinder konnten mit Hilfe des Bundesverbandes eine neue Familie finden, im Rekordjahr davor waren es sogar 20 gewesen. Für die anderen Kinder fanden sich fast durchweg Pflegestellen über die Jugendämter. Durchschnittlich 45 überprüfte und spezialisierte Bewerberfamilien stehen dem Bundesverband derzeit zur Verfügung. Die Zahl der Mitgliedschaften stieg in den vergangenen sechs Jahren um fast 150 auf mittlerweile 565. In den Mitgliedsfamilien leben mehr als 1.000 Pflegekinder unter 18 Jahren.

Zum jährlichen bundesweiten Familientreffen kamen über Pfingsten rund 60 Erwachsene und 35 Kinder in Haltern am See zusammen. Im Gottfried-Könzgen-Haus standen drei Tage lang intensiver persönlicher Austausch und fachliche Fortbildung auf dem Programm. Dabei brachte Fachanwalt Christian Au aus Buxtehude die Pflegeeltern auf den neuesten Stand der Dinge „im Dschungel des Sozialrechts“. Für die Kinder gab es wieder ein eigenes Spiel- und Betreuungsprogramm.

Der Bundesverband behinderter Pflegekinder e.V. (BbP) ist eine Selbsthilfevereinigung von Pflegeeltern, die sich für Pflegekinder mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen engagieren. Er wurde 1983 gegründet und vertritt bundesweit rund 1.025 Mitglieder mit über 1.000 Pflegekindern unter 18 Jahren. Zentrales Anliegen ist die Vermittlungshilfe von Kindern mit besonderen Bedürfnissen in Pflegefamilien. Nach der UN-Kinderrechtskonvention hat jedes Kind das Recht, in einer Familie aufzuwachsen. Der BbP ist als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt und vertritt die Interessen behinderter Pflegekinder und ihrer Pflegeeltern auch im politischen, sozialrechtlichen und gesellschaftlichen Bereich.

Unsere Pressemitteilung als PDF [70 KB]

Bundesverband behinderter Pflegekinder e.V.
Kirchstraße 29, 26871 Papenburg
Gerhard Schindler, Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 0177 3637038
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Eine Pflegemutter lächelt, als ihr großer Pflegesohn auf dem Arm fröhlich jauchzt.
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